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Interjú Claudia Fabrizekkel

Was wäre ein Musical ohne Handlung und ohne Text? – Ein Konzertabend mit menschlichen Stimmen als Instrumenten. Das soll aber das Musical „Gisela und Stephan“ nicht sein. Dafür steht Claudia Fabrizek, die die Fabel des Stückes mitentwickelt hat und für die Texte verantwortlich zeichnet. Sie stellt sich den Interviewfragen von Hans-Georg Haehnel.

Wie sind Sie zum Schreiben des Musicals „Gisela und Stephan“ gekommen?

Das geht auf einen Anruf von Stefan Daubner im Sommer 2011 zurück, der die Idee zu dem Stück hatte. Seine Frau und er hatten schon viel recherchiert und so wurde in vielen Gesprächen der Plot des Stückes entwickelt. Dabei gab es wunderbare Momente, wo wirklich Ideen gemeinsam entwickelt wurden und sich ein Teil zum anderen fügte wie bei einem Puzzle. Manchmal war uns gar nicht mehr klar, von wem eine Idee ursprünglich stammte. Ausgangspunkt war für uns die Szene im Klostergarten im jetzigen zweiten Akt, aus der auch die Songs „Ich weiß nicht“ und „Wir sind uns nah“ stammen. Hier müssen zwei Menschen ihr Leben neu erfinden, weil ihre bisherigen Pläne über den Haufen geworfen wurden. Von da aus fragten wir, was vorher notwendig geschehen sein muss und welche in der begrenzten Zeit darstellbaren Folgen die Begegnung von Gisela und Stephan hatte. Außerdem hatten wir immer im Kopf, dass es bei diesem Stoff auch um die Idee der europäischen Einheit geht und dass die Angst von Veränderung ja geradezu modern ist.

Welche Vorerfahrungen beim Schreiben haben Sie?

Schreiberfahrung im epischen Bereich habe ich durchaus, aber ich hatte keinerlei Vorkenntnisse bei der Konzeption eines Musicals, speziell beim Texten von Songs –da musste ich mich erst einarbeiten. Songs müssen für die Figur, die sie singt, immer eine hohe emotionale Bedeutung haben. Es soll glaubhaft sein, dass die Seele der Figur sich in einem Lied nach außen wendet. Auch müssen Songs stets die Handlung vorantreiben, denn das Stück soll zwar abendfüllend, aber auch nicht zu lang werden, deshalb haben wir auch nur wenig Refrains in den Liedern.

Haben Sie zuerst die Songs ohne Musik geschrieben oder wurde Ihnen die Musik vorgegeben?

Wir praktizieren beide Verfahren, das geht auch relativ gut, natürlich muss man bei vorhandener Musik auch das Metrum beachten, damit der Text sich in die Musik einfügt. Bei „Ich weiß nicht“ und „Wir sind uns nah“ hatte ich allerdings den Text vor der Musik produziert. Ich versuche immer, mich  ganz in die Person hineinzuversetzen, sodass schließlich die Figur aus mir spricht. Bei „Ich weiß nicht“ ging ich davon aus, dass Gisela noch recht jung und keinesfalls emanzipiert ist und mit einer neuen Situation fertig werden muss.

Wie stark waren für Sie als Historikerin auch geschichtliche Recherchen nötig?

Mit der Geschichte Ungarns hatte ich mich noch nicht so stark beschäftigt, folglich musste ich doch erst vieles erkunden. Speziell die Schlacht auf dem Lechfeld ist ja für die Ungarn eine Katastrophe gewesen und führte offensichtlich zu einer Umorientierung der ganzen ungarischen Gesellschaft: Sie wurden sesshaft, öffneten sich für das Christentum und die Macht der einzelnen Kriegsfürsten schwand zugunsten einer Zentralgewalt.

Welche Rolle spielt Herman von Reichenau?

Hermann von Reichenau, der ja auch als ein Chronist der damaligen Zeit gilt, führen wir als Erzählfigur aus ganz pragmatischen Gründen ein: Die meisten Beteiligten sind Sänger und keine Schauspieler, mit langen Sprechpassagen, die ja dramatisch gestaltet sein müssten, wären sie wohl überfordert. Andrew Lloyd Webber setzt ja auch einen Erzähler in seinem Musical „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ ein, um solche Schwierigkeiten zu umschiffen.

Ist das Stück schon fertig?

Im dritten Akt gibt es noch ein paar offene Stellen, daran arbeite ich. Bis Pfingsten soll das Ganze fertig sein, denn Feinschliff ist anschließend immer noch nötig und im Herbst müssen die Proben beginnen. Aber die Arbeit macht mir sehr viel Spaß und ist eine große Herausforderung, weil ein Musical für mich eben eine ganz neue Struktur darstellt, aber man wächst mit seinen Aufgaben.

Was schreiben Sie denn sonst?

Kurzgeschichten und Romane, der letzte war ein historischer Roman mit dem Titel „Three Weeks in October“ und spielt zur Zeit des zweiten Weltkrieges in London. Das ist eine ganz andere Art von Schreibprozess, weil man hier ja alles mit der Sprache gestalten darf, kann beziehungsweise muss, da gibt es keine Musik und kein Bühnenbild. Meinen Ehrgeiz am Romanschreiben weckte der National Novel Writing Month. Das ist ein kreatives Schreibprojekt seit 1999. Ziel ist es, während der 30 Tage des Monats November einen Roman mit mindestens 50.000 Wörtern zu verfassen. Anschließend hat man aber die Möglichkeit, das Ganze nochmals zu überarbeiten und auszugestalten, und so bin ich erst in diesem Januar mit dem Projekt aus dem November 2010 fertig geworden.

Vielen Dank für das Gespräch!





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Tartalom:

A mű cselekménye
Az ötlettől a megszületésig
Interjú Claudia Fabrizekkel
Linkek Istvánról és Gizelláról
Műhelyest 1.
Szöveg, cselekmény, zene
Történelmi háttér
Tartalma
Zene
Videó
DVD-Videó

A projekt az Schyren-GymnasiumImpresszium | Magyar fordítás: Ádám Koncz | © Hans-Georg Haehnel, Pfaffenhofen, 24.05.2017